VITA
Leon Lorenz (geboren 1999 in Stuttgart) ist ein deutscher Perkussionist und Solist. Er gastierte bereits in namhaften Häusern wie der Elbphilharmonie Hamburg, dem Wiener Konzerthaus und dem Konzerthaus Berlin sowie bei renommierten Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Heidelberger Frühling.
Seine Ausbildung absolvierte er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, der Hochschule für Musik und Theater München sowie an der Universität Mozarteum Salzburg. Ein Studienaufenthalt in Tokio bei Keiko Abe erweiterte seine künstlerische Perspektive um internationale und kulturübergreifende Impulse.
In seiner Arbeit verbindet Leon Lorenz solistische Virtuosität mit stilistischer Offenheit, eigenen Kompositionen und der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung eigenständiger Konzertformate, in denen Perkussion, Elektronik und interdisziplinäre Ansätze zusammengeführt werden.
KÜNSTLERISCHES PROFIL
Im Zentrum von Leon Lorenz’ künstlerischer Arbeit steht das Schlagzeug als unmittelbares, globales Instrument. Rhythmus, Klangfarbe und körperliche Präsenz schaffen eine direkte Verbindung zum Publikum und eröffnen einen Zugang, der kulturelle und stilistische Grenzen überschreitet.
Seine Konzertprogramme sind virtuos, sinnlich und vielschichtig und bewegen sich selbstverständlich zwischen klassischer Musik, Jazz, Tango und zeitgenössischer Musik. Dabei richtet sich seine Arbeit bewusst an ein breites und auch junges Publikum.
Inhaltlich setzt sich Leon Lorenz in seinen Programmen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander – etwa mit technologischen Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz. Diese Inhalte übersetzt er in musikalische Dramaturgien, die durch eigene Kompositionen, den Einsatz von Elektronik und interdisziplinäre Ansätze geprägt sind.
Ziel seiner Arbeit ist es, Konzertformate zu entwickeln, die gleichermaßen künstlerische Tiefe und unmittelbare Zugänglichkeit verbinden und Musik als lebendigen Erfahrungsraum erfahrbar machen.
PROJEKTE
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DIE SIEBEN KONTINENTE
"Verbundenheit durch Rhythmus"
DIE SIEBEN KONTINENTE ist ein außergewöhnliches Konzertprojekt, das das Publikum auf eine musikalische Reise rund um den Globus führt. In fünf eigenständigen Konzerten werden Europa, Asien, Afrika, Antarktika, Australien sowie Nord- und Südamerika klanglich erfahrbar gemacht. Jeder Teil ist einem Kontinent gewidmet und entfaltet eine eigene Energie sowie eine eigene musikalische Dramaturgie.
Das Programm vereint Werke aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten mit Neukompositionen, die eigens für dieses Projekt entstanden sind. Herkunft, Klangsprache und musikalische Gestik der beteiligten Komponistinnen und Komponisten lassen die klangliche Vielfalt der Kontinente lebendig werden. Eigenkompositionen für Schlagwerk und Elektronik von Leon Lorenz und Max-Lukas Hundelshausen spannen über die fünf Konzerte einen verbindenden roten Faden, der das gesamte Projekt dramaturgisch zusammenführt. Ergänzt wird das Konzerterlebnis durch Sounddesign und gezielte Mikrofonierung, die den Klangraum verfeinert und dem Projekt eine immersive Dimension verleiht.
DIE SIEBEN KONTINENTE ist ein Konzertformat von großer Intensität und Sogkraft – ein musikalischer Marathon mit Gänsehautmomenten, Energie und nachhaltiger Wirkung. Es macht erfahrbar, wie Musik kulturelle Unterschiede hörbar macht und zugleich als universelle Sprache verbindet.
MOTHER EARTH
In einer Zeit fortschreitender technologischer Entwicklung schöpft das Solo-Recital MOTHER EARTH seine Inspiration aus der Natur und richtet den Blick auf ihre Schönheit, ihre Einzigartigkeit und ihre Verletzlichkeit. Das Programm vereint Eigenkompositionen von Leon Lorenz mit zeitgenössischen Werken sowie Musik von J. S. Bach. Die Werke stehen in feiner Abstimmung zueinander und verschmelzen zu einer übergreifenden Dramaturgie, die sich über das gesamte Konzert entfaltet.
Klanglich wird das Konzert durch den gezielten Einsatz subtiler Mikrofonierung und Elektronik erweitert und schafft auf diese Weise ein intensives, immersives Konzerterlebnis. In seine Kompositionen fließen Eindrücke aus der Natur ein – Erinnerungen, Bilder und Atmosphären, die musikalisch weitererzählt werden. Die Wechselwirkung zwischen sinnlichen Eindrücken und seinem experimentierfreudigen Zugang zum Instrumentarium eröffnet ein Klangspektrum an der Schnittstelle zwischen vertrauten und neuen Klangwelten – von Momenten der Stille über feinste Klangflächen bis hin zur archaischen Kraft des Schlagzeugs.
HOMO MACHINA
Wie verändert Künstliche Intelligenz unser musikalisches Denken, Hören und Gestalten? HOMO MACHINA rückt diese Frage ins Zentrum und untersucht seit seiner Uraufführung 2023 die wachsende Präsenz von KI in künstlerischen Prozessen. Das Programm vereint bekannte Werke der zeitgenössischen Musik mit Neukompositionen und Eigenwerken von Leon Lorenz und macht die ästhetischen wie gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklung unmittelbar auf der Bühne erfahrbar.
Klanglich entsteht HOMO MACHINA aus der Verbindung von Multipercussion, Live-Elektronik, Sounddesign und KI-generierten Klangwelten. Diese hybriden Strukturen öffnen akustische Räume jenseits vertrauter Hörgewohnheiten. Die Maschine tritt dabei nicht nur als Werkzeug in Erscheinung, sondern als eigenständiger klanglicher Akteur, dessen Reaktionen und Entwicklungen nur bedingt vorhersehbar sind. So entsteht ein offener Dialog, in dem sich die Rollen von menschlicher Intention und algorithmischer Entscheidung immer wieder neu verschieben. Gerade in dieser Unbestimmtheit liegt die Spannung des Programms.
HOMO MACHINA fragt nicht nach der Ablösung des Menschen durch Technologie, sondern nach dem unverzichtbaren menschlichen Moment in der Musik. Die entstehenden Klangwelten eröffnen neue ästhetische Erfahrungsräume und machen zugleich deutlich, dass musikalische Bedeutung im Zusammenspiel mit KI erst von menschlicher Präsenz, körperlicher Geste und menschlicher Imperfektion seine wahre Schönheit erlangt.
HOMO MACHINA versteht sich als fortlaufendes, prozessuales Format, das die Beziehung zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz immer wieder neu befragt.
ORIOL CRUIXENT
Apollo and the Secret of the Golden Flower
In einer Zeit, die von Geschwindigkeit, Reizüberflutung und permanenter Beschleunigung geprägt ist, lädt Apollo and the Secret of the Golden Flower dazu ein, einen Moment innezuhalten. Dieses interaktive Konzert für Soloschlagzeug, Symphonieorchester und Publikum eröffnet einen Raum der Konzentration und der inneren Wahrnehmung – einen Raum, in dem Musik nicht nur gehört, sondern bewusst erlebt wird.
Ausgangspunkt des Werks ist die Erste Delphische Hymne an Apollo, die älteste bekannte notierte Komposition der Musikgeschichte. Ihre archaischen Klänge bilden eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Ursprüngen westlicher Musik und einer heutigen Klangsprache, die sich offen, vielschichtig und suchend zeigt. Der antike Gott Apollo – Sinnbild für Maß, Erkenntnis und Harmonie – wird dabei zur Leitfigur einer musikalischen Reise nach innen.
Zentraler Gedanke des Werks ist die Frage, wie ein vertieftes individuelles Bewusstsein zu einer verantwortungsvolleren, empathischeren Existenz in einer global vernetzten Welt beitragen kann. Diese Reflexion bleibt nicht abstrakt: Das Publikum wird bewusst in das musikalische Geschehen einbezogen und wird vom Zuhörer zum Mitgestalter. Reaktionen aus dem Saal beeinflussen den Verlauf der Musik, sodass jede Aufführung einzigartig bleibt – ein einmaliger Moment, der sich nicht wiederholen lässt.
Durch diese Interaktion löst sich die klassische Trennung zwischen Bühne und Publikum zunehmend auf. Es entsteht eine offene, dialogische Atmosphäre, in der gemeinsames Erleben im Mittelpunkt steht. Die Musiker reagieren auf Impulse aus dem Raum, entwickeln Klangprozesse weiter und öffnen sich für spontane, improvisatorische Momente. Musik wird so zu einem lebendigen Prozess – getragen von Aufmerksamkeit, Präsenz und gegenseitigem Zuhören.
Apollo and the Secret of the Golden Flower versteht sich als Einladung: zur Entschleunigung, zur bewussten Wahrnehmung und zur Erfahrung von Gemeinschaft. Ein Konzert, das nicht nur im Moment wirkt, sondern als Erinnerung nachklingt – und vielleicht einen neuen Blick auf die eigene Rolle als Hörender, Mitwirkender und Mensch eröffnet.
CELLO & PERCUSSION
Gemeinsam mit dem Cellisten Philipp Schupelius bildet Leon Lorenz seit 2023 ein festes Duo. Konzertauftritte führten das Ensemble u. a. in die Elbphilharmonie Hamburg, in das Beethoven-Haus Bonn, den Nikolaisaal Potsdam sowie zum Schleswig-Holstein Musik Festival.
Für die noch seltene Besetzung von Violoncello und Percussion existiert bislang kaum Originalliteratur. Vor diesem Hintergrund stehen die beiden Musiker in engem Austausch mit zeitgenössischen Komponisten und initiieren die Entstehung neuer Werke. Komponisten wie Fazıl Say und Enjott Schneider haben bereits Stücke für das Duo geschrieben.
Ergänzend dazu entwickelt das Duo eigene Arrangements, die ein breites stilistisches Spektrum von Johann Sebastian Bach über George Gershwin bis hin zu Astor Piazzolla und Alberto Ginastera umfassen. Dabei experimentieren die Musiker mit Elektronik und erweiterten Spieltechniken und erkunden bewusst die Grenzen zwischen Genres, indem sie klassische Musik mit lateinamerikanischen Rhythmen und Grooves verbinden.
NEUE WERKE
Fazıl Say - Middle Eastern Children
Middle Eastern Children Op.109 für Schlagzeug und Violoncello, ist eine einfache und zarte Komposition, die eine Art liedhaftes Essay darstellt. Das Stück wurde im Hinblick auf die unschuldigen Menschen und Kinder komponiert, die von endlosem Terror und von Kriegen im Nahen Osten betroffen sind, und es spiegelt die geopolitischen Verwerfungen wider, in denen wir leben. In seiner einfachen Musik und der einfühlsamen Schilderung einer kraftvollen Geschichte teilt es einmal mehr die in den Werken des Komponisten bemerkbare aufrichtig humanitäre Gesinnung mit den Zuhörern."
Senem Tekinkoca
Enjott Schneider - Sisyphos
Das neue Werk für Percussion und Violoncello greift den Mythos des Sisyphos auf und interpretiert ihn als musikalische Reflexion über Mühe, Wiederholung und menschliche Selbstbehauptung. Inspiriert von Albert Camus’ Mythos des Sisyphos wird das Absurde nicht als Strafe, sondern als produktive, lebensbejahende Kraft verstanden.
In vier aufeinanderfolgenden Sätzen entfaltet sich ein Spannungsfeld zwischen repetitiver Arbeit, innerer Widerständigkeit und schließlich einer Transformation hin zu Energie, Freude und Klarheit. Virtuose rhythmische Strukturen, fragile Klangflächen und körperliche Präsenz verbinden sich zu einer sinnlichen, unmittelbaren Musikerfahrung. Percussion und Violoncello treten dabei in einen intensiven Dialog, der zwischen roher Kraft, feiner Klanglichkeit und poetischen Melodien changiert.